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Musil-Gutsch, Josephine

Josephine Musil-Gutsch, M.A.

Kontakt

Postadresse
Historisches Seminar der LMU München
Wissenschaftsgeschichte
Geschwister-Scholl-Platz 1
80539 München

Büroadresse
Schellingstraße 12 / 80799 München
Erdgeschoss, Neubau, Zi. K 024

Telefon: +49 (0) 89 / 2180 - 5354

Website: LMU Wissenschaftsgeschichte

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ZUR PERSON

  • 01/2018 Aufnahme in die Promotionsförderung durch die Gerda-Henkel-Stiftung
  • seit September 2017: Arbeit am Dissertationsprojekt in der Wissenschaftsgeschichte der Ludwig-Maximilians-Universität München (betreut von Prof. Dr. Kärin Nickelsen)
  • 2014-2017: Masterstudium der Geschichtswissenschaften an der LMU München; Schwerpunkt Wissenschaftsgeschichte
  • 2011-2014 Bachelorstudium der Komparatistik mit Nebenfach Geschichte an der LMU

PROJEKT

Materialitätsuntersuchungen in der Orientalistik: Kooperationen zwischen Natur- und Geisteswissenschaften (ca. 1880-1930)

Die jüngere Wissenschaftsgeschichte erforscht neben den Natur- auch die Geisteswissenschaften und ihre Praktiken, nur selten jedoch die Verschränkung der „zwei Kulturen“ in kooperativen Zusammenhängen. Hier setzt mein Promotionsprojekt an. Ich analysiere für den Zeitraum ca. 1880-1930 Kooperationen zwischen Natur- und Geisteswissenschaftlern in ihrer Entstehung und zeitlichen Dynamik im deutschsprachigen Raum, und zwar am Beispiel von Materialitätsuntersuchungen in der Orientalistik. Ende des 19. Jhs. erlebte dieses Fach, auch aufgrund des im Zuge der kolonialen Archäologie ausgegrabenen neuen Quellenmaterials aus dem Orient, einen enormen Aufschwung. Neben dem Inhalt und der Sprache von Texten rückte in zuvor philologisch-orientierten Fächern nun auch vermehrt die Materialität von Artefakten in den Blick. Die materielle Beschaffenheit der Artefakte gab Auskunft über ihre Datierung, Provenienz oder Herstellungsweise und die daraus gewonnenen Erkenntnisse wurden in kulturhistorische Argumentationen eingebunden. Zur Untersuchung der Materialität waren allerdings naturwissenschaftliche Methoden notwendig. In europaweit gespannten Netzwerken suchten Orientalisten, Archäologen, Kunsthistoriker und Paläographen die Zusammenarbeit mit Naturwissenschaftlern, um über materialspezifische Fragestellungen kulturhistorische Erkenntnisse zu gewinnen. Dabei kooperierten Orientalisten beispielsweise mit Chemikern oder Botanikern, damit diese die chemische Zusammensetzung von babylonischen Emailziegeln oder Pflanzenfasern in alten Manuskripten mikroskopisch oder mithilfe chemischer Analysen bestimmten. Mein Projekt untersucht erstmals die Geschichte dieser Forschungsrichtung, die die institutionelle und epistemologische Konstitution der deutschsprachigen Orientalistik wesentlich prägte. Dabei verfolgt das vorliegende Projekt folgende drei Hauptziele, die ich an historischen Fallbeispielen illustrieren möchte: Erstens werden Kooperationsdynamiken und -strukturen anhand historischer Fälle interdisziplinärer Forschung zwischen Natur- und Geisteswissenschaften untersucht, wobei konkrete Forschungsmethoden und -praktiken sowie der Wissenstransfer zwischen den Kooperationspartnern herausgearbeitet werden. Zweitens geht es darum, die Begriffe „Material“ beziehungsweise „Materialität“ und deren Bedeutung innerhalb der Kooperationen zu verstehen und drittens werden die Kooperationen in ihren historischen Kontext eingebettet, um ihre Entstehungsbedingungen und Auswirkungen auf die Wissenschaftslandschaft um 1900 zu erforschen.

FINANZIERUNG

Gerda-Henkel-Stiftung, Düsseldorf

PUBLIKATION

Bericht zur Tagung "The 'Two Cultures' avant la lettre: How the Sciences and the Humanities grew apart", München: LMU,  12.-13.07.2016. In: H-Soz-Kult, 26.09.2016. URL: www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-6715 [gemeinsam mit Claus Spenninger].