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Lademann, Laura

Laura Lademann, M.A.

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Historisches Seminar der LMU München
Neuere und Neueste Geschichte
Promotionsprogramm Modern History (ProMoHist)
Geschwister-Scholl-Platz 1
80539 München


Weitere Informationen

ZUR PERSON

  • seit Mai 2017 Promotionsstipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung
  • seit Juni 2016 Selbständige PR-Beraterin
  • 2013-2014 Fernstudium „Public Relations“ an der Deutschen Presseakademie in Berlin
  • 2011-2013 Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes
  • 2008-2013 Magisterstudium der Neueren und Neuesten Geschichte an der LMU mit den Nebenfächern Mittelalterliche Geschichte und VWL

PROJEKT

Integration durch Arbeit? Die Bedeutung der Berufsqualifikation für die Eingliederung von MigrantInnen der 2. Generation in den 1970er und 80er Jahren in der Bundesrepublik Deutschland

Kaum ein anderes Phänomen hat die bundesdeutsche Gesellschaft so nachhaltig verändert wie die Einwanderungswelle in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ein großer Arbeitskräftemangel in den traditionellen Industriesektoren gepaart mit starkem Wirtschaftswachstum und außenpolitischen Motiven führte dazu, dass durch den Abschluss entsprechender Anwerbeverträge zwischen 1955 und 1973 5,1 Mio. GastarbeiterInnen in die Bundesrepublik einreisten. Zahlreiche ausländische Jugendliche, die von ihren Eltern nachgeholt worden waren, drängten ab Mitte der 1970er Jahre auf den westdeutschen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Dabei verfügten die wenigsten von ihnen über das nötige Sprach- und Bildungsniveau, geschweige denn über einen deutschen Schulabschluss. Ganz besonders galt dies für sogenannte „Seiten- oder Späteinsteiger“, die erst zu einem relativ späten Zeitpunkt ihrer Sozialisation nach Deutschland eingereist waren. Die allgemeinbildenden Schulen waren weder personell noch finanziell in der Lage, diese Defizite oftmals innerhalb nur weniger Jahre auszugleichen. Arbeitslosigkeit oder die Beschäftigung in unsicheren un- oder angelernten Tätigkeiten im produzierenden Gewerbe waren daher für viele ausländische Jugendliche der „zweiten Generation“ die Folge ihrer sozialen und strukturellen Benachteiligung sowie des konjunkturbedingten Lehrstellenmangels und arbeitsrechtlicher Einschränkungen.

Angesichts der massiven Probleme ausländischer Jugendlicher bei der Lehrstellensuche und der Eingliederung ins Berufsleben sprach die deutsche Öffentlichkeit von der „zweiten Generation“ seit Mitte der 1970er Jahre als eine „tickende Zeitbombe“, die durch Bildung einer „migrantischen Unterschicht“ die Stabilität der bundesdeutschen Gesellschaft zu gefährden drohe. Die Integration der jungen MigrantInnen in den Arbeitsmarkt galt dabei als wichtigste Voraussetzung für ihre gesellschaftliche Eingliederung und sollte das Abgleiten in die Kriminalität verhindern. Gleichzeitig motivierten der Geburtenrückgang in der deutschen Bevölkerung sowie die steigende Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften Unternehmen und Kammern dazu, zunehmend auch ausländische Jugendliche auszubilden bzw. zu beschäftigen.

Daher riefen Wohlfahrtsverbände, Handwerkskammern, Unternehmen und Gewerkschaften seit Anfang der 1970er Jahre spezielle (Aus-)Bildungsprogramme für ausländische Jugendliche ins Leben. Verschiedene durch Bundes- und Landesmittel geförderten (Modell-)Maßnahmen hatten zum Ziel, die Berufsqualifikation der ausländischen Jugendlichen zu verbessern: Vollzeitschulische Programme zur Berufsvorbereitung sollten ihre Chancen, einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu finden, erhöhen. Ausbildungsbegleitende Hilfen dienten dazu, die ausländischen Jugendlichen während ihrer Ausbildung zu unterstützen und sie zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen. Alle Maßnahmen verbanden Sprachförderung mit der Vermittlung von beruflichem und Allgemeinwissen sowie sozialpädagogischen Hilfen.

Anhand konkreter Beispiele untersucht das Promotionsprojekt die Bedeutung der Berufsqualifikation für die Integration von ausländischen Jugendlichen in den 1970er und 80er Jahren. Vor dem Hintergrund der bundespolitischen Beschäftigungs-, Ausländer- und Integrationspolitik sowie dem gesellschaftlichen Diskurs zum „Ausländerproblem“ steht die praktische Umsetzung von Berufsqualifikationsmaßnahmen für ausländische Jugendliche der „zweiten Generation“ im Mittelpunkt der Analyse. In den Blick genommen werden beispielhafte Maßnahmen der Berufsvorbereitung und Ausbildungsförderung in westdeutschen Unternehmen, Gewerkschaften, Kammern, Wohlfahrtsverbänden und Arbeitsämtern in Bayern und Nordrhein-Westfalen. In diesem Zusammenhang werden die beruflichen Tätigkeiten, die praktische Gestaltung und Umsetzung von Förderprogrammen und die Frage nach dem gesellschaftlichen Aufstieg der „zweiten Generation“ in den Blick genommen und kritisch hinterfragt. Ebenso untersucht werden die Motive und Argumentationsstrategien der involvierten gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Akteure bzw. Institutionen (Arbeitsministerien, Arbeitsämter, Gewerkschaften, Handwerkskammern, Unternehmen und Wohlfahrtsverbände), sich auf diesem Gebiet zu engagieren.

Durch einen innovativen Quellen- und Methodenmix und die Verbindung von Politik-, Diskursgeschichte und historischer Praxeologie kann das Thema auf verschiedenen institutionellen, politischen und gesellschaftlichen Ebenen und aus der Perspektive der unterschiedlichen beteiligten Akteure beleuchtet werden. Auf Grund der großen gesellschaftspolitischen Relevanz der Fragestellung und des enormen Forschungsbedarfs zu diesem Thema verspricht die Dissertation wichtige neue Einsichten in die Geschichte der Integrationspolitik und -praxis in der Bundesrepublik.

FINANZIERUNG

Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn